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Technikspielzeug

Motorola V220 und Linux

Weihnachten steht ja vor der Tür... Und es gibt vorgezogene Weihnachtsgeschenke. Das Handy ist zwar gebraucht, aber es wurde sehr gut behandelt. Ich bekommt nur weitervererbte Handies. ;-)

Das V220 hat ein Farbdisplay von 128×128 Pixel und ein kleines schwarz/weiß Aussendisplay von 96×32 Pixel.

Wenn man ein Hintergrundbild für das Handy bastelt, sollte man bedenken, dass sich unten im Display eine 20 Pixel große Statusleiste befindet. Hier werden die Soft-Key-Funktionen und das Menü-Symbol eingeblendet. Oben im Display werden ebenfalls verschiedene Symbole eingeblendet. Die Höhe der oberen Statuszeile ist 11 Pixel, so dass im Endeffekt für das eigentliche Bild nur 128×97 Pixel übrig bleiben. (20+11+97 = 128)

Mein altes gewohntes Kommandozeilen-Tool scmxx konnte ich nicht mehr benutzen, da es mit dem Datenformat des V220 nicht zurecht kam und abstürzte. Also begab ich mich auf die Suche nach anderen Tools.

Für das Lesen/Versenden der SMS und Bearbeitung des Telefonbuchs eignet sich KMobileTools ganz gut. Ich benutze die Beta-Version 5.0. Es hat leider einen Bug: Der Name des Eintrags darf keine Kommatas enthalten, sonst wird dieser Eintrag, so wie alle nachfolgenden Einträge, ignoriert.

Für den Datentransfer, also das Hoch- und Herunterladen von Bildern und Klingeltönen kann man moto4lin benutzen. Ich benutze die SVN-Version, da die Version 0.3 bei mir aus irgendeinem Grund nicht funktionierte. Achtung! Diese Software ist in ungeübten Händen gefährlich! Man kann ruck-zuck das Handy unbrauchbar machen, also drei mal nachdenken, bevor man etwas anklickt. Besonders beim Löschen von System-Dateien, um mehr freien Speicher herauszukitzeln, sollte man vorher zumindest eine Sicherung der Dateien anlegen, die man löscht.

Man kann auch interne Speicherparameter des Handies damit manipulieren, die sogenannten Seems. Eine Einleitung in die Bedeutung von Seems und mögliche Manipulationen kann man unter GSM-Free bekommen.

Wenn man das Handy in den Rechner einstöpselt, wird normalerweise eine Gerätedatei für das Senden und Empfangen der AT-Befehle erstellt. Sie heißt bei mir /dev/ttyACM0. Wenn man als User darauf zugreifen will, braucht man Schreib- und Leserechte für diese Datei. Das kann man z.B. erreichen, indem man eine Datei /etc/udev/rules.d/99-motorola.rules erstellt und folgendes einträgt

KERNEL=="ttyACM*", GROUP="users", MODE="0660"

Das ist für die SMS- und Telefonbuchverarbeitung ausreichend. Für moto4lin reicht es aber nicht. Dieses Programm greift auf eine weitere Datei zu, die unter /dev/bus/usb liegt. Das Problem dabei ist, dass ich zu blöd bin eine Passende udev-Regel dafür zu erstellen, zumal der Name der Datei jedes mal variert. Ich habe mir aber damit abgeholfen, die Dateirechte „manuell“ zu ändern. Das geht, indem man zu der früher erwähnten 99-motorola.rules vier weitere Zeilen hinzufügt.

BUS=="usb", SYSFS{idProduct}=="4902", SYSFS{idVendor}=="22b8", RUN += "/bin/chmod 660 $env{DEVNAME}"
BUS=="usb", SYSFS{idProduct}=="4902", SYSFS{idVendor}=="22b8", RUN += "/bin/chgrp users $env{DEVNAME}"
BUS=="usb", SYSFS{idProduct}=="4901", SYSFS{idVendor}=="22b8", RUN += "/bin/chmod 660 $env{DEVNAME}"
BUS=="usb", SYSFS{idProduct}=="4901", SYSFS{idVendor}=="22b8", RUN += "/bin/chgrp users $env{DEVNAME}"

Diese Zeilen bewirken, dass jeder User in der Gruppe users Schreib- und Leserechte bekommt. Der Witz bei moto4lin liegt darin, dass das Handy in den sogenannten P2K Modus wechsel. Dabei verschwindet die Gerätedatei die mit dem USB-Gerät 22b8:4902 verbunden war und es taucht eine neue auf, die mit 22b8:4901 verbunden ist. Je nach dem, ob moto4lin oder udev schneller ist, kann es passieren, dass moto4lin Fehlermeldungen ausgibt, dass es nicht mit dem Handy verbinden kann. In solchem Fall startet man am einfachsten moto4lin neu, dann klappt die Verbindung, da die neue Gerätedatei bestehen bleibt.

Klingeltöne für das V220

Das Handy kann MP3- und WAV-Dateien abspielen. Aus Plaztgründen sollte man MP3-Dateien bevorzugen. Unter Linux kann man Klingeltöne am einfachsten mit der Kombination aus sox und lame erzeugt. Mit sox kann man WAV-Dateien manipulieren und mit lame kann man sie als MP3 kodieren.

Die meisten Anleitungen zum erstellen von Klingeltönen geben folgende Tipps

Alles ganz einfach oder? ;-) Nein? Na gut, dann mal zwei Beispiele. Angenommen wir haben eine Datei musik.wav und wollen daraus einen Klingelton (oder sonstigen Ton) basteln.

Als WAV (nur für kurze Signale geeignet)

sox musik.wav -r 22050 -w ton.wav fade 0:0.5 0:20 0:0.5 highpass 150

Das Produziert die Datei ton.wav, mit einer Samplerate von 22.050Hz (-r 22050), 16 Bit (-w), die über eine halbe Sekunde „eingeblendet” wird, von 20 Sekunden Gesamtdauer ist und über eine halbe Sekunde ausgeblendet wird. Dabei wird ein Hochpassfilter angewendet, der alle Frequenzen unterhalb von 150Hz wegfiltert.

Als MP3 (für alles geeignet)

sox musik.wav ton.wav fade 0:0.5 0:20 0:0.5
lame -q 0 --cbr -b 48 --resample 22.05 --highpass 0.15 ton.wav ton.mp3

Zuerst schneiden wir mit sox nur ein 20 Sekundes langes Stück (wie oben) heraus. Das Filtern und umkodieren überlassen wir dieses mal lame. Dem lame-Kodierer sagen wir, dass wir beste mögliche Qualität haben wollen (-q 0), es soll mit konstanter Bitrate kodiert werden (--cbr), die Bitrate soll 48kbps betragen (-b 48), eine Samplerate von 22,05kHz = 22050Hz uns ausreicht (--resample 22.05) und ein Hochpass bei 0,15kHz = 150Hz angelegt werden soll (--highpass 0.15).

Weitere tolle Optionen von sox und lame kann man auf den zugehörigen Homepages nachlesen.

man sox
man lame

Hochladen der Klingeltöne

Wenn man die selbstgemachten Klingeltöne unter Linux hochlädt, sieht man sie anschließend im Multimedia/Sounds Menü auf dem Handy, aber man kann sie nicht als Klingeltöne auswählen. Das Handy zeigt die Töne zwar an, aktualisiert aber nicht die Datenbank der möglichen Klingeltöne. Diese ist in zwei Dateien auf dem Handy gespeichert: MyToneDB.db und TempToneDB.db. Leider ist mir kein Tool bekannt, dass diese Dateien aktualisieren würde - ausser natürlich die Original-Software von Motorola, die nur für Windows existiert. Eine rabiate Möglichkeit besteht darin diese Dateien zu löschen und anschließend das Handy zu rebooten. Nach einem Neustart werden beide Dateien neu angelegt, dieses mal mit allen vorhandenen Klingeltönen. Leider muss man jetzt alle Klingeltöne neu einstellen.

Download

Ich habe moto4lin und KMobileTool in RPM vepackt, damit ich sie nicht auf jedem Computer neu kompilieren muss. Mann kann sowohl moto4lin als auch KMobileTools von dieser Seite herunterladen. Hier findet ihr auch meine SPEC files für moto4lin und KmobileTools, falls jemand die Pakete selber bauen möchte.


Weltsicht

Neunter Tag

Zumindest das Feiern macht hier richtig Spaß. Wie sieht so eine erfolgreiche Feier aus? Die Zutaten sind ganz simpel.

Eigentlich wollten wir in die nächste Stadt fahren und dort einen trinken gehen. Aber es wäre wahrscheinlich nicht mal ein kleines bißchen so lustig geworden, wie zuhause.

Haus-Parties sind die besten. :-)


Weltsicht

Siebter Tag - Kattowitz (pl.: Katowice)

Früher mal die regionale Kreisstadt, jetzt im Prinzip nur uninteressant. Zugegeben: außer dem Bahnhof und der unmittelbaren Gegend habe ich nicht viel gesehen.

Der Hauptbahhofsvorplatz ist eigentlich nur traurig. Obwohl er sich besser als im Sommer präsentierte. Ich schätze mal, dass die niedrigen Temperaturen alle Obdachlosen und Schluckspechte in geschlossene Lokalitäten gedrängt haben, so dass die offene Fläche zugänglicher erschien. Obwohl der Bahnhof von der Größe her durchaus dem Bonner Hauptbahnhof entspricht, kann er sich vom Erscheinungsbild nicht mal mit dem Bonn-Bad Godesberg Kleinbahnhof messen.

Sollte jemand eine brauchbare Kneipe in Kattowitz suchen, so kann ich zumindest den „City Pub“ ans Herz legen. Es liegt in einer Einfahrt in direkter Bahnhofsnähe (Straße vor dem Bahnhof nach links gehen, auf der rechten Seite suchen), direkt neben einem SexShop, einem Puff und Gay Club. :-D


Weltsicht

Sechter Tag - Die Strassenbahnen

Gestern ist nichts weltbewegendes passiert, deswegen gibt es auch keinen Eintrag. Heute dachte ich wieder ein wenig über die hiesigen Zustände nach. Speziell über die Strassenbahnen.

Wie ich schon vorher schrieb, kostet eine Fahrkarte für eine Stadt 2,40 PLN, für zwei Städte 2,90 PLN und für drei oder mehr 3,50 PLN. Das klingt in Deutschland nach nicht viel Geld, denn 3,50 PLN sind weniger als 1 €. Das Problem ist das Einkommensverhältnis. Wenn man das Einkommen betrachtet, muss man nicht einen Wechselkurs von 1:4 nehmen, sondern 1:1 - so viel bedeutet das Geld hier. Und wer würde schon 3,50 € zahlen für eine einfache Fahrt, ohne Umsteigemöglichkeit! Ja, man muss für jede Bahn, für jeden Bus eine neue Karte lösen.

Die Bahnen haben sich seit 30 Jahren nicht geändert. Demensprechend sehen sie aus und so fühlen sie sich bei der Fahrt auch an. Kein Wunder, dass niemand Fahrkarten kauft... Nur ein weiterer Teufelskreis hier.


Weltsicht

Vierter Tag

Gestern hatte ich ein längeres Gespräch mit einer Freundin. Wir sprachen über die Zustände in Polen. Gleichzeitig lief im Hintergrund (polnische) Nachrichten. Es war ein kurzer Bericht über eine EU-Studie über Korruption. Demnach ist Polen eins der am meisten von der Korruption betroffenen Länder. Wenn ich danach urteilen sollte, was ich gehört habe, ist es das korrupteste Land in der EU. Die Menschen scheinen die Gewohnheiten, die sie unter der kommunistischen Regierung erworben haben, nicht ablegen zu können.

  1. Die Ärzte sind korrupt. Es ist eigentlich Gang und Gäbe, das man dem Chefarzt einen Umschlag in die Hand drückt (500-1000 PLN), damit jemand im Krankenhaus auch mit voller Aufmerksamkeit behandelt wird, und nicht nur so nebenbei. Das weiß man auch im Ministerium und drückt immer ein Auge zu. Man nennt es Dank oder Aufmerksamkeit seitens des Patienten. Wenn der Patient jedoch eine Tafel Schokolade den Krankenschwestern als Dank schenkt, dann ist es „Vorteilsnahme“ und wird geandet. Ich weiß es von einer Krankenschwester. Das die Ärzte geschmiert werden weiß ich von meiner Familie.

  2. Die Bahnkotrolleure sind nur korrupt. Nur ein minimaler Anteil an Schwarzfahrern wird tatsächlich gemeldet. Zumal haben die Kontrolleure keine Lust beim schlechten Wetter oder am Nachmittag zu arbeiten. Als Ergebnis fährt praktisch jeder schwarz, der keine Monatskarte hat. Kein Wunder, dass die Kommunikationsunternehmen kein Geld haben. Zumal reicht es einem Kotrolleti 10-20 PLN in die Hand zu drücken. Bei einem Fahrkartenpreis von 2,40 bis 3,50 PLN ist das Kosten/Nutzen Verhältnis eindeutig auf der Seite der Schwarzfahrer.

  3. Wohnzuteilungen (Sozialwohnungen oder Genossenschaftswohnungen, andere sind unbezahlbar) funktionieren ebenfalls mit Schmieren. 200 € ist wohl der Standard, wenn man nicht ein Jahr auf eine Wohnung warten kann/will. Dann ist die Wartezeit „nur“ 2-3 Monate. Bekanntschaften sind fast genauso gut wie Schmieren, manchmal sogar besser.

Wie soll das System hier überhaupt funktionieren, wenn das meiste Geld in die Privattaschen fließt, anstatt ins System? Großstädte wie Warschau oder Krakau haben wahrscheinlich weniger Probleme in dieser Richtung. Jedoch hier, wo noch Menschen leben, die ich schätze und die ich lieb gewonnen habe, ist die Situation geradezu fatal.


Weltsicht

Dritter Tag

Heute gibt es nichts Interessantes zu berichten. Ich war nicht viel unterwegs, lediglich einmal einkaufen. Die Supermärkte sind wohl auf der ganzen Welt identisch. Hell, bunt, gut ausgestattet. Nur der Füllgrad der Einkaufswägen unterscheidet sich sehr stark, je nach Land. Bei den allermeisten war gerade der Boden bedeckt. Zwei Flaschen Mineralwasser, zwei Flaschen Bier, ein wenig Schinken, ein Käse... Von Großeinkäufen auf Vorrat kann keine Rede sein. Man lebt von Hand in den Mund.

Freitag wird wahrscheinlich noch interessanter werden. Ich werde Kattowitz besuchen, die Kreisstadt hier. Als größte Stadt beherbergt sie natürlich auch das größte Elend. Der Bahnhof ist kein schöner Ort und die Gestalten dort sind recht zweifelhafter Natur.


Weltsicht

Zweiter Tag - Das Ghetto

Heute hatte ich wieder mal die Gelegenheit ein Ghetto zu besuchen. Ein Ghetto, weil dort die Arbeitslosen und sozial Schwachen zusammenwohnen. Nicht aus eigener Entscheidung natürlich. Dieser Stadtteil ist durchgehen mit Altbau-Mehrfamilienhäusern bebaut. Wenn es in den Wohnungen Bäder oder Toiletten in der Wohnung gibt, so wurden sie erst nachträglich eingebaut. Da die Miete aber sehr billig ist, werden Arbeitslosen dort Wohnungen zugewiesen und alle, die wenig Geld haben müssen dort wohnen.

Das sowieso schon graue Straßenbild, mit den alten, verfallenden Häusern wird zusätzlich noch abgerundet durch Haltestellenbüdchen, die nur noch aus dem Dach bestehen, weil alle Seitenfenster eingetreten wurden. Die Straßen sind schief, die Bürgersteige noch mehr. Breite Pfützen sind beim Regen normal. Die Kanalisation ist zwar in Ordnung, aber die Straße hat keine Neigung und das Wasser gelangt gar nicht in die Kanalisation. Also sammelt es sich auf der Straße und jedes vorbeifahrende Auto erzeugt eine kleine Fontäne, so dass es besser ist den Regenschirm seitlich zur Straße zu halten, als nach oben zum Regen hin. Immerhin kommt von oben halbwegs sauberes Wasser, von der Straße nicht.

Ich bin gespannt, was mich morgen erwartet. Ich kenne die Gegend, ich ich weiß um die hiesigen Verhältnisse, aber sie schockieren mich immerwieder aufs Neue.


Weltsicht

Erster Tag - die Ankunft

Wer einen allgemeinen Eindruck von den Wohnverhältnissen bekommen möchte, der sollte einfach für ein paar Tage hier einziehen. Ich wohne bei meinem Opa in einer Altbau-Wohnung. Altbau bedeutet nicht romantische hohe Decken oder kunstvolle Außenverzierungen. Der Altbau hier bedeutet

Man kann natürlich elektrisch Heizen, alledings kann es gut sein, dass es die alten Leitungen auf Dauer überfordert. Die Kupfer- (oder gar Eisen-)Leitungen vertragen eben nichts über 16A. Was bin ich froh, dass das Netzteil von meinem Laptop ungesichert mit einem Euro-Stecker angeschlossen werden kann, denn Schutzleitung ist bei der Hausverkabelung auch nicht vorgesehen worden. Einfacheitshalber wurde der Schutzleiter mit dem Nullleiter verbunden.

Die Haustür nach Außen läßt sich nicht schließen. Vor paar Jahren, als die Türschließanlage eingebaut wurde, wurde auch eine neue Holztür (sic!) eingebaut. Die Tür ist mittlerweile mehrfach eingetreten worden, der Türöffner ist sinnlos. Seltsames Volk läßt sich im Hauseingang zum Bierkonsum nieder. Eigentlich junge Männer, von denen man erwartet könnte, dass sie Tagsüber arbeiten. Dann fällt mir aber ein, dass wir es hier mit 25% Arbeitslosigkeit zu tun haben. Dann ist auch klar, warum sie da abhängen.

Draußen ist Schnee gefallen und die Autos haben ihn schon im Laufe des Tages zu Brei verarbeitet. Wenn Morgen früh der Frost kommt, dann wird es erst richtig „lustig“.

Es ist noch nicht mal wegen der Nostalgie schön, es ist einfach katastrophal.

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