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KritikWeltsicht

Studienbeiträge in NRW

Am 25. April bekam ich eine Rundmail der Universität, in der auf eine Broschüre zum Thema „Studiengebühren“ (euphemistisch auch „Studienbeiträge“) des Landes NRW hingewiesen wird. Mal schauen... Kommen wir zu dem Vorwort vom Herrn Andreas Pinkwart, dem Minister für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie in NRW.

(...) Das Recht auf Darlehensfinanzierung baut soziale Hürden ab, die maximalen Rückzahlungsverpflichtungen für BAföG-Empfänger sind so niedrig wie nirgendwo sonst. (...)

Verstehe. Also wenn ich das Recht auf einen Darlenen habe, so stellt mich das in eine genauso gute Position, wie den Kommilitonen, dessen Studium und Lebensunterhalt vollständig aus Pappas Tasche finanziert wird. Es ist ja viel besser, als könnte ich ohne Gebühren studieren. Eine sehr interessante Sichtweise.

(...) Bessere Ausbildung, kürzere Studiendauer, weniger Abbrecher und ein neues, partnerschaftliches Verhältnis zwischen Hochschule und Studierenden – das sind unsere Ziele. (...)

Ja, Ziele sind toll. Die Frage ist nur, wie man sie erreicht. Und es ist eine sehr partnerschaftliche Geldabhängigkeit, die hier eingeführt wird, zweifelsohne...

Und nun bedanken wir uns beim Herrn Pinkwart für sein Vorwort und schauen uns die Broschüre weiter an:

(...) Wer unzureichende Studienbedingungen vorfindet, hat ein Beschwerderecht. Eine Schiedskommission kann der Hochschulleitung empfehlen, Studienbeiträge zu ermäßigen oder zu erlassen. (...)

Also, das ist mal großzügig. Ich darf mich beschweren! Ich werde dafür weder geächtet noch der Universität verwiesen. Und eine Kommission darf Empfehlungen abgeben. Frage ist: Wer entscheidet denn letztendlich über meine Beschwerde?

(...) Studierende haben ein Anrecht auf ein zinsgünstiges Darlehen, das erst nach erfolgreichem Berufseintritt zurückgezahlt werden muss. Bei BAföG-Empfängern gelten feste Obergrenzen für ihre Rückzahlungsverpflichtung. (...)

Ist doch super! Wenn ich mit dem Studium fertig bin, darf ich neben dem BAföG auch noch die Studiengebü..., entschuldigung, Studienbeiträge zurückzahlen! Das ist mal sozialverträglich!

(...) Als Grundsatz gilt: Wer nachweislich keine Angebote der Hochschulen in Anspruch nimmt, muss keine Studienbeiträge bezahlen. (...)

Aha? Und wie beweise ich, dass ich etwas nicht gemacht habe, ohne dass ich mich zwischenzeitlich exmatrikuliere?

(...) Das Studienkontenfinanzierungsgesetz wird mit Einführung der Studienbeiträge aufgehoben. Die derzeitige Regelung zu Langzeitstudiengebühren entfällt. (...)

Immerhin. Einen positiven Aspekt hat das Ganze ja. Statt 650,- € pro Semester muss man jetzt nur noch 500,- € pro Semester zahlen. Und zwar nicht einige sondern alle.

(...) Auf der Seite der Studierenden wird das Modell zu einem Anreiz führen, das Studium effizient zu organisieren und die Lehrangebote intensiv zu nutzen. (...)

Ersetze „Anreiz“ durch „Zwang“ und „effizient“ durch „überladen“. Wer es nicht glaubt, der soll mal versuchen 3-4 Prüfungen innerhalb von 4 Wochen sehr gut oder gut zu bestehen.

(...) Das Land NRW stellt seinen 33 staatlichen Hochschulen jedes Jahr rund 2,8 Milliarden Euro zur Verfügung. Wenn alle 420.000 Studierenden in NRW 500 Euro Studienbeitrag zahlten, erhielten die Hochschulen nach Abzug der Mittel für den Ausfallfonds echte Zusatzeinnahmen von rund 320 Millionen Euro. (...)

„Wenn das kleine 'wenn' nicht wäre, wär' mein Vater Millionär“ und ich müsste mir nicht Sorgen über Finanzierung machen. Wenn es Studiengebühren für jeden gibt, werden unter Garantie nicht alle 420.000 Studenten den Universitäten treu bleiben. Trend fallend. Und rund 320 Millionen Euro... Rechnen will gelern sein, aber ich bin nicht so und gebe dem Ministerium kurz Nachhilfe: 420.000×500€=210.000.000€, nach Abzug von etwa 42 Millionen (20% für den Ausfallfond) bleiben noch 168.000.000€. Das sind etwa 6% des Budges, das das Ministerium nach eigenen Angaben bewilligt. Das macht pro Hochschule 168.000.000÷33=5.090.909€+ε pro Semester. Damit kann sich jede Hochschule knapp fünf Dozenten leisten... Zum Beispiel hat die Universität zu Bonn sieben Fakultäten, und jede Fakultät besteht aus einigen Instituten, die den Studienfächern entsprechen.

Die gestrichene Passage ist meinerseits falsch gewesen. Tatsächlich bin ich von einem Semester ausgegangen, währen in der Broschüre aller Wahrscheinlichkeit nach von einem Jahr die Rede ist. In diesem Fall stimmt die Rechnung des Landes natürlich.

(...) Im NRW-Modell sind die Studienbeiträge sozialverträglich gestaltet. (...)

Das ist eine Lüge. Keine spezielle aus dieser Broschüre, sondern eine Binsenweisheit, die man seit Jahren versucht weißzumachen. Studiengebühren lassen sich nicht sozialverträglich gestalten.


Weltsicht

Organspende - ist das etwas für mich?

Ich meine jetzt nicht, ob ich eine Organspende annehmen würde - sondern ob ich mich als Organspender sehe. Ich kann die Frage immernoch nicht mit einem ja oder nein beantworten.

Ein Freund hat mir vor kurzem stolz seinen Organspenderausweis gezeigt. Zur Information: das ist ein Ausweis, denn man ausgefüllt bei sich trägt. Auf ihm kann man vermerkem ob und welche Organe man im Fall des eigenen Todes spenden möchte. Ich fand die Idee sehr toll - schließlich kann man mit einer Organspende jemandem das Leben retten, wenn das eigene schon vorbei ist. Also nahm ich mir vor auch so einen Ausweis zu machen.

Auf der Suche nach Informationen zur Organspende habe ich jedoch auch die Seite der Interessengemeinschaften Kritische Bioethik Deutschland entdeckt, die eine kritischere Einstellung zu diesem Thema haben. Nachdem ich sie gelesen habe, wurde mir klar, wie unvollständig man über Organspende informiert wird. Bei jedem ernstem medizinischen Eingriff muss man genau über die Risiken aufgeklärt werden. Bei der Organspende werden nur die positiven Seiten beleuchtet.

Was zum Beispiel oft nicht gesagt wird, ist wie die Organspende funktioniert. Ein Organspender darf nur Gehirntot sein. Die Vorstellung, dass man im Krankenhaus alle lebenserhaltenden Geräte am Patientenbett abstellt und dann mit der Organentnahme beginnt ist einfach falsch. Die Organspende wird bei laufender Lebenserhaltung durchgeführt, denn die Organe müssen bis zum letzten Moment mit Blut versorgt werden. Also ist der Motorradfahrer, der sich beim Aufprall mit dem Baum in zwei Stücke zerlegte kein guter Kandidat für einen Organspender. In Frage kommen eigentlich nur Unfallopfer mit schwersten Gehirnverletzungen, die nur bestimmte Medikamente erhalten haben, deren Organe also „sauber” sind.

Wenn man mal die Definition des Gehirntods außer Acht läßt, so gibt es noch einen anderen Aspekt der Organspende, der selten diskuttiert wird: Die Angehörigen, die Familie. Meist müssen sie über die Organspende entscheiden, und diese Entscheidung ist nie leicht. Da der potentielle Organspender nur Gehirntod ist, jedoch an lebenserhaltende Maschinen angeschlossen ist, sieht es so aus, als ob er nur im Koma läge. Er sieht jedoch keinesfalls wie ein Toter aus. Also wird die Familie vor die Entscheidung gestellt den letzten Rest des Lebens gewaltsam zu beenden, um eventuell ein anderes Leben zu retten oder zu verlängern.

Das ist - so meine Meinung - das Hauptproblem. Dem potentiellen Spender kann es egal sein, was mit seinen Organen passiert, denn sein Tod würde unweigerlich in der nächsten Zeit eintreten. Die Angehörigen jedoch sehen keinen Toten, sondern nur einen Sterbenden. Ich denke, dass das den größten Unterschied ausmacht.

Es läuft immer auf die Frage hinaus, wann ein Mensch tot ist. Ist ein Gehirntoter wirklich tot? Oder liegt er nur im Sterben? Es mag klar sein, dass das Bewußtsein der Person, die Erinnerungen, alles was einen Menschen ausmachte, im Fall des Gehirntodes unweigerlich verlorengeht. Bedeutet das jedoch den Tod der Person, oder nur einen weiteren Prozess im Akt des Sterbens?

Ich wollte meine Familie nicht mit der Entscheidung allein lassen, also habe ich die Entscheidung getroffen. So hoffe ich, dass in dem weniger erfreulichen Fall meines Ablebens die Familie zumindest von dieser Entscheidung verschont bleibt.


Kritik

V wie Vendetta

Das Comic 'V for Vendetta'
Das Comic 'V for Vendetta'

Der Originaltitel dieses Films lautet V for Vendetta wie auch der Titel des Comic-Heftes, auf dem der Film basiert. Es ist jedoch eine sehr freie Adaptation.

Die Geschichte spielt in England in naher Zukunft. Nach einem großen Krieg droht die Nation ins Chaos zu stürzen. Eine faschistische Regierung übernimmt die Macht. Eine totalitäre Überwachung findet statt. Konzentrationslager werden errichtet.

Ein maskierter Mann ohne Namen - er nennt sich selber V - stürzt das System ins Chaos und rüttelt so die Menschen wach.

Das klingt zunächst sehr pathetisch, wirkt auf der Leinwand jedoch nicht so. Ich hatte das Glück das Buch nicht vorher gelesen zu haben. So konnte ich den Film ohne Vorbelastung genießen. Ich war von dem Film sehr beeindruckt und hatte danach nicht das Gefühl in einem der üblichen Hollywood-Schinken gewesen zu sein.

Ich war später sehr erstaunt, dass der Film in den Kritiken (z.B. bei Spiegel-Online) in der Luft zerrissen wurde. Man hat es immer wieder mit der Comic-Vorlage verglichen. Ich gebe zu, dass mir das Comic auch viel besser gefiel. Aber man vergleicht Äpfel und Birnen. Das Comic wurde in den Jahren 1980-1988 geschrieben. Die „Zukunft“ liegt im Jahr 1997. Das sollte man beim Vergleich nicht vergessen.

Ich kann beides nur empfehlen - sowohl den Film, als auch das Buch. Die Zielgruppe beider läßt sich mit einem Zitat aus dem Buch treffend beschreiben:

(...) it's for people, who don't switch off the News.

V wie Vendetta - Der Film
V wie Vendetta - Das Comic, Beitrag bei der Wikipedia
Weitere Infos über die Geschichte und den Comic


Fotos

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Der Frühling ist nicht mehr aufzuhalten - mal vom Regen abgesehen. ;-)

Krokusse
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